Ich war früh aufgestanden. Die Sonne schien bereits. Es war 4.30 Uhr. In den andern Campern war noch alles still. Eine halbe Stunde später hatte ich eingepackt, das Elektrokabel verstaut, das Dach heruntergelassen. Peppina hatte sich versäubert und war gefüttert. Nun begann meine Pirsch — wie ich im letzten Bericht angekündigt hatte.
Etwas grossmäulig vielleicht, denn Elche zeigen sich bekanntlich eher selten. Dass die frühen Morgenstunden die besten Chancen bieten und Elche junge Birkenblätter lieben, wusste ich allerdings. Also nichts wie los.
Kurz nach fünf Uhr fuhr ich Richtung Östersund. Die Strasse war leer. Herrlich leer. Die Sonne schien bereits warm auf die Wälder, am Himmel standen ein paar zarte Wölkchen. Ein perfekter Morgen, um gemütlich eine weite Strecke zu fahren.
Glücklich thronte ich in meinem Bus und schaute hinaus in die Landschaft — natürlich auch auf die Strasse. Dieses Glück wollte ich mit Linda teilen, die meist ebenfalls so früh unterwegs ist. Also begann ich, ihr eine Sprachnachricht zu schicken.
Genauer gesagt: Ich sprach die ersten Sätze — und dann sah ich sie.
Bremsen konnte ich nicht mehr. Aber dieses Bild brannte sich innerhalb von Sekunden ein und wird bleiben. Mein erster Elch. Gleich am ersten Tag meiner Pirsch. Die Sprachnachricht wäre übrigens hörenswert. Vor lauter Freude überschlug sich meine Stimme völlig — morgens um sechs Uhr.
Da stand sie mitten auf einer Lichtung.
Die Elchkuh stand auf einer saftigen Wiese, die zur Strasse hin offen war. Den Waldrand säumten unzählige junge Birkenstämme. Die Blätter sind noch zartgrün, die jungen Stämme leuchten weiss und edel in der Morgensonne.
Eindringlich schaut die Elchin mich an, äst genüsslich und schaut erneut. Ihr dunkelbrauner, golden glänzender Körper steht etwas wackelig auf den viel zu langen, dünnen Beinen. Alles scheint irgendwie so gross. Tatsächlich ist der Elch ja auch die grösste Hirschart.
Auf dieser Fahrt begrüssten mich noch weitere Waldtiere. Der Kranich spazierte gemütlich auf der Strasse, während ein kleiner Fuchs eine Böschung heraufschlich.

Vielleicht hatte mich alles so bewegt, weil ich tags zuvor in Mora das berühmte Aders-Zorn-Museum besucht hatte. Zorn war ein schwedischer Maler (1820-1920)., der fantastische Porträts malte, aber das ist nicht so meins, salopp ausgedrückt.
Fasziniert haben mich hingegen ganz andere Bilder, die in einer Vergleichsausstellung zu sehen waren und zwar von einem John Bauer (1882-1918). Das war eine einmalige Entdeckung. John Bauer illustrierte schwedische Märchen, Mythen und Waldgeschichten. Seine Trolle, Elfen und geheimnisvollen Waldwesen bewegen sich durch dunkle Wälder voller Nebel, verdrehter Wurzeln und riesiger bemooster Steine. Der mystische Norden, den ich hier draussen plötzlich selber erlebte, war in seinen Bildern längst vorhanden.
Das Bild des Elchs ist übrigens das aktuelle Ausstellungsplakat.
Und abends am Lagerfeuer mit Blick hinaus über den Siljansee verstand ich plötzlich diese nordische Sehnsucht.


Liebe Verena
Wunderbar wie du schreibst.
Frau kann auf diese Weise mitreisen.
War ich doch auch vor vielen Jahren mit meiner Mutter im wunderbaren Norden.
Es war eine Sehnsucht von uns Beiden.
Grüessle aus dem sonnigen Zürich
Liebe Birgit, Jetzt ist es schon Jahre her, dass wir uns gesehen haben, aber du nimmst immer noch an meinem Leben teil. Das mit der Sehnsucht nach dem Norden kann ich gut nachvollziehen. Auch ich bin mit dem Nordland „Bug“ infisziert. Jetzt noch mehr seit ich das Nordkap erreicht habe. Traumhaft schön. Liebe Grüsse Verena
Guets mörgeli. Denn isch s Museum doch no ufgange geschter?
Schön hesches beschriebe, me isch grad drbie🤩
Gueti witerreis👌
Glg
Eli
Du bist einfach super. Weiterso und bleibt gesund. Noch viele do schöne Momente wünsch ich Dir. Vlg Gabi Elfers
Super Verena!🙏🏻🫎
Das Einfache, das Unberührte die unendlichen Weiten und die Stille, die man wirklich hören kann und das stetige Beobachten, was als nächstes kommt. 🥰
Das alles macht die Liebe zum Norden aus!
Weiterhin viel Freude!
Lg Silvia 🇸🇪
Tolles Erlebnis ! Meinen ersten Elch habe ich ganz überraschend in Alaska gesehen. Beieindruckende und mächtige Tiere, ein unvergessliches Abenteuer.
Vielleicht triffst du ja auch noch einen Bären in der unberührten Natur Schwedens.
Dann grüss ihn von mir.
Alles Liebe Christopher
Ich bin nicht ganz unglücklich, dass ich keinen, noch keinen Bären gesehen habe. Jetzt bin ich ja in Norwegen und ich kann mir nicht vorstellen, dass es da viele gibt. Bis in ein paar Wochen in Hamburg.