Drei Nächte blieb ich in Falun. Bevor ich jedoch abfahre, muss diese Geschichte geschrieben sein. Vielleicht begegnet mir bald ein Bär oder Elch und dann ist Falun nur noch eine fade Geschichte.
Ich blieb so lange, nicht weil mir die Stadt besonders gefiel, sondern weil es mir einen der friedlichsten, harmonischsten, landschaftlich perfekt gelegensten Stellplätze bot. Vorne der stille See mit unzähligen Inseln, eine gepflegte Gartenanlage und dahinter einen bewaldeten Hügel mit tausend und einem Spazierweg. Hier fühle ich mich einfach geerdet. Am liebsten würde ich nur schreiben und malen.
Ich habe in Falun auch einiges darüber verstanden, was wir als typisch schwedisch bezeichnen und weshalb die Häuser ein geborgenes, ausgeglichenes Gefühl ausstrahlen.


Mitten im alten Kopparbergslagen liegt Falun, die Stadt der grossen Kupfermine und der roten Häuser. Falu Gruva gehört seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Über Jahrhunderte bedeutete die Mine Schwerstarbeit für tausende Arbeiter — auch für Kinder.




Sie hinterliess auch riesige Halden aus Abraum, Erzresten und Schlacke. Irgendwann merkten die armen Leute, dass sich dieses Material hervorragend eignete, um das Holz an ihren Häusern zu konservieren. Mit Wasser, Leinöl und anderen Zutaten entstand daraus dieser rote, vom Eisenoxid gefärbte Anstrich. Die Farbe nennt sich Falunröd, quasi ein nationales Symbol Schwedens.
Als die wohlhabenderen Leute das sahen, fanden sie es schick, ihre Häuser ebenfalls rot anzustreichen – ähnlich wie die edlen Backsteinbauten Europas. Und plötzlich wollte jeder sein Haus reich aussehen lassen. Spannend, oder? Ein ganzes Land kleidet sich so – wie Korallenperlen in einer weiten grünen Landschaft.
Im Innern blieben die Häuser allerdings lange dunkel und finster. Erst mit Künstlern wie Karin und Carl Larsson zogen Licht, Farbe und Leichtigkeit in die schwedischen Wohnhäuser ein.

So besuchte ich an einem Regenmorgen auch das Carl Larsson-gården. Hier wohnten und arbeiteten Karin und Carl Larsson. Carl war der berühmte, schwedische Maler, bekannt vor allem für seine zarten Aquarellbilder, die in alltäglichen Szenen aus Haus und Garten seine grosse Familie zeigten. Karin Larsson war ebenfalls Künstlerin und prägte den heutigen Wohnstil der Schweden. Die Schwere verschwand, Einzug hielten leichte, farbig angemalte Möbel, Licht, Pflanzen und Stoffe in fröhlichen Farben. Sie entwarf moderne Textilien, die sie wob und bestickte.
Jedes Stück Wand, jede Tür, jedes Möbelstück ist bemalt – mit Porträts, Symbolen, Texten und Bildern. Im Dalaren Museum erfahre ich, dass Tapetenmalerei schon früher ein hoch kreatives Handwerk in der Umgebung des Siljansees war. Solche Zusammenhänge von Tradition und Zukunft sind so spannend. Für mich zumindest, die gerne harmonisch, und leicht wohnt.


Zum Beispiel hängt zwischen den Schlafzimmern von Karl und Karin – in ihrem standen auch einige Kinderbetten – ein luftiger Trennvorhang voller Symbole wie Rose, Herz und Schlange, für das Schwere im Leben. Karin hatte diesen als Liebeserklärung an Karl geschaffen. Das Haus strotzt nur so vor Leben.
Vom Esszimmer, das in warmen Rot- und Grüntönen gestaltet ist, gelangt man in das Verandazimmer mit Blick auf Garten und See. Dort ist plötzlich alles blau-weiss, auf der Fensterbank stehen unzählige Pflanzen – einfach, ruhig und unglaublich gemütlich.
Selbst die berühmte Kaktuslampe entstand aus Ideen dieses kreativen Ehepaares. Bilder hängen auf beinahe jedem freien Wandstück, Bücher klastern die Wände, Musikinstrumente warten auf spielende Hände.
Fotografieren oder etwas berühren durfte man nicht, da das Haus bis heute im Besitz der Familie ist und teilweise noch genutzt wird. Auch IKEA fand immer wieder Inspiration bei Carl und Karin Larsson.
Ihr spürt es vermutlich längst – ich wäre am liebsten gleich selber eingezogen. Dann würde ich allerdings Bär und Elch verpassen. Und das wäre wirklich dramatisch für meine Blogbeiträge.

Weiterhin gute Fahrt.
Wirklich sehr lebend geschrieben
Lg Gabi
Liebe Verena,
einfach großartig, wie du aus einem simplen Reisebericht mit Beschreibung des Gesehenen eine lebendige Geschichte entstehen lässt, die im Leser den Wunsch weckt, dabei zu sein, mit dir weiterzureisen!
Danke fürs Mitnehmen …. ich helfe dir dann gerne beim Zusammenpacken, wenn es wieder weitergeht, ich freue mich schon darauf, mit dir zusammen diversen imposanten Wildtieren zu begegnen!
Fahr gut weiter und melde dich bald wieder mit beeindruckenden Fotos, vielleicht sogar einigen von dir gemalten Bildern 😉
Alles Liebe aus Tirol!
Diesen herrlichen ruhigen Platz am See, ich hatte das Gefühl neben dir zu sitzen. Platz, Luft um durchzuatmen und der Puls und Blutdruck nimmts gerade etwas gemütlicher.
Auf die Fortsetzung freue ich mich. Elch und Bär einfach nicht zu nahe.
Grüsse aus Kilchberg C🦮
Liebe Verena
Schön be- und geschrieben. Schweden ist so bereichernd. Die atemberaubende Natur, sowie die Stille und auch die lieblich gebauten und dekorierten Häuschen, wirken beruhigend auf uns Reisende, die aus etwas engen und hektischen Gegenden stammen.
Wir sind jedesmal aufs Neue begeistert und dankbar hier zu sein. 🙏🏻🇸🇪
Weiterhin eine schöne Reise für dich und Peppina.
Lg Silvia und Urs mit Peppo
Liebe Verena,
Ich geniesse die Erzählungen von deiner Reise. Ich habe das Gefühl mit dir zu reisen
Ganz liebe Grüsse, natürlich auch an Peppina
Gill
Liebe Verena, so fern und doch ganz nah bei uns, mit Deinen wunderbaren Worten erzählt, hast Du Stimmungen für uns eingefangen, als seien wir selbst dort.
Herrlich, 🥰🥰 wir freuen uns schon auf noch viele Erzählungen und Bilder von Dir und Peppina. Gute Weiterfahrt Allzeit,
Herzlichst Rolf&Conny